Tutorials

Unterschied zwischen Leasing und Exclusive Beats

September 6, 2017 · andiherzog

Wenn du im Internet nach Beats suchst, wirst du schnell fündig. Allerdings kann dabei das Thema Lizenz schnell verwirrend werden: es gibt Free Beats, Leasing Lizenzen und exklusive Rechte. Free Beats sind recht schnell verstanden, aber was genau ist der Unterschied zwischen Leasing und Exclusive? In diesem Artikel möchte ich versuchen, etwas Klarheit für dich zu schaffen.

Kurz und knapp

Angefangen hat dieses Modell bei amerikanischen Produzenten, wird mittlerweile aber weltweit eingesetzt.

Der Unterschied kurz und knapp: Kaufst du einen Beat exklusiv, steht er danach nicht mehr zum Verkauf. Wählst du das Leasing, steht er weiterhin zum Verkauf. 

In Deutschland unterscheidet man konkret nach Nutzungsrechten, die im §31 UrhG geregelt sind. Da gibt es das ausschließliche (entspricht weitestgehend exclusive) und das einfache (nicht-ausschließliche) Nutzungsrecht (entspricht weitestgehend dem Leasing).

Infografik zu dem Unterschied zwischen Leasing und Exclusive Beats

 

Besonderheiten der Exclusive Rights

Beim ausschließlichen Nutzungsrecht (also dem „Exclusive“) erhältst allein du das Recht, den Beat zu nutzen. Vertraglich kann gegebenenfalls eine zusätzliche Nutzung durch den Urheber (Produzent) geregelt werden. Andere Künstler / Unternehmen können jedoch keinerlei Rechte am Beat erwerben und diesen nicht nutzen.

Wichtiger Hinweis: Egal welche Rechte du erwirbst, du bist in keinem Fall dazu berechtigt, den Beat oder jegliche Rechte daran weiterzuverkaufen. Du darfst nur die Nutzungsrechte deines fertigen Songs verkaufen (z. B. für Film-Soundtracks usw.).

Im Vertrag ist geregelt, auf welche Art und Weise und für welche Projekte du den Beat nutzen darfst. Bei einem Exclusive wird in der Regel jede gängige Nutzungsart des Songs vereinbart. Das betrifft physischen Vertrieb (CD, Vinyl, usw.), Streaming, Musikvideo, Lizenzierung (Soundtracks, Sync), Shows, TV und ähnliches. Bei Exclusives gibt es keine Beschränkung für verkaufte Einheiten (MP3, CD) und Streams (Audio, Video).

Wenn du also davon ausgehst, dass dein Projekt etwas größer ausfällt, ist der Erwerb der exklusiven Rechte definitiv sinnvoller. In Deutschland bewegen sich die Preise dafür irgendwo zwischen 300 € und 1000 € je Beat. In den meisten Fällen eher im unteren Bereich dieser Range. Wenn du also in ein Musikvideo und verschiedene Marketing-Maßnahmen investierst, am Beat jedoch sparst, kann dir jederzeit ein anderer Künstler dazwischen grätschen und denselben Beat für sein kommerzielles (!) Projekt verwenden.

Ein weiterer Vorteil, der zum Teil auch bei Premium Leases (mehr dazu gleich) geboten wird, sind die Einzelspuren des Beats. Der Produzent stellt dir diese bereit, sodass du den Song von anderen Studios komplett neu mischen lassen kannst, wenn du das möchtest. Mit den Einzelspuren kann auch in das Arrangement des Songs eingegriffen werden, was unterm Strich mehr Flexibilität bedeutet.

Zusammenfassend bist du mit Exclusives rechtlich auf der sicheren Seite und hast die volle Kontrolle über den Song.

Besonderheiten der Leasing Rights

Anders als bei einem Exclusive bleiben Leasing Beats dauerhaft verfügbar. Es können beliebig viele Künstler eine Leasing Lizenz erwerben und den Beat kommerziell nutzen. Hier wird schon deutlich, dass du einen großen Teil der Kontrolle über deinen Song abgibst.

Mit einer Leasing Lizenz (=einfaches Nutzungsrecht) darfst du einen Song auf Grundlage des Beats aufnehmen. Dieser Song darf nur bis zu einer bestimmten Anzahl verkauft und gestreamt werden, bis die nächste Lizenz fällig wird. Bei meinen Leasing Lizenzen sind das 1. Mio Streams bei einem Standard Lease und 2 Mio. Streams bei einem Premium Lease. Diese Streamingzahlen beziehen sich auf die Summe der Streams aus allen Plattformen, also werden hier YouTube-Streams, Spotify-Streams, Apple-Streams, usw. zusammengezählt.

Der große Vorteil von Leasing Beats ist ganz klar der Preis. Für einen Bruchteil des Exclusives kommst du an den von Tags befreiten Beat, der je nach Produzent schon professionell abgemischt ist. Du darfst den Song überall hochladen und innerhalb der eben beschriebenen Beschränkungen nutzen. Dabei bist du allerdings nicht allein.

Bei einem Standard-Lease erhältst du nur die Master-Audiospur. Im Idealfall in WAV-Format, im worst case nur eine MP3. Du hast dabei also keinen Einfluss auf das Mixing und das Arrangement, hier sind maximal nur sehr grobe Anpassungen möglich. Für diese Problematik gibt es meist das Premium Lease, dass auch die Einzelspuren des Beats enthält. Dabei gelten die Regeln der Leasing Lizenz mit meist etwas höheren Verkaufs- und Streaminglimits. Ein Premium Lease bewegt sich preislich zwischen 100 € und 300 €. Je nach Projekt kann an dieser Stelle ein Exclusive besser geeignet sein. Wenn die Rechte aber nicht notwendig, die Einzelspuren aber gewünscht sind, ist diese Form sinnvoll.

Überschneidungen und Probleme

Produzenten bieten häufig beide Modelle für dieselben Beats an, was aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist. Bei Exclusive Rights gibst du bewusst mehr Geld aus, um den Beat alleine zu nutzen. Wenn andere Künstler den Beat allerdings schon geleased haben, geht das Argument für ein Exclusive aus meiner Sicht verloren. Denn die Künstler mit den Leasing Rights dürfen ihre Lizenz weiterhin nutzen.

Wenn du einen Beat exklusiv kaufen möchtest, solltest du den Produzenten daher vorab kontaktieren und fragen, ob Leasing Lizenzen für den Beat bestehen. Wenn nicht, ist ein Exclusive sinnvoll. Wenn ja, solltest du eher die Leasing-Variante nehmen. Um Künstler gegenüber entsprechend fair zu sein und dieses Thema immer vorab zu klären, empfehle ich Produzenten exklusive Rechte nur auf Anfrage anzubieten und im Idealfall verschiedene Beat-Kataloge für Leasing und Exclusive aufzubauen.